Montafon

Das Montafon ist ein 39 km langes Tal in Vorarlberg (Österreich), das von der Bielerhöhe bis Bludenz reicht und von der Ill durchflossen wird. Das Tal wird im Norden von der Verwallgruppe und im Süden vom Rätikon und der Silvretta begrenzt. Die höchste Erhebung in der Umgebung ist der 3312 m hohe Piz Buin in der Silvretta-Gruppe.

Gemeinden im Montafon

Die Gemeinden im Montafon gehören alle dem Bezirk Bludenz an. Im geographischen Sinn sind es (illabwärts):

 Gaschurn (1.000 m) besteht aus den Orten Gaschurn und Partenen (1.050 m)

 St. Gallenkirch (900 m); mit den Ortsteilen Gargellen (1.430 m) und Gortipohl (950 m)

 Schruns (700 m)

 Tschagguns (700 m)

 Silbertal (890 m)

 Bartholomäberg (1.100 m)

 Vandans (660 m)

 St. Anton im Montafon (650 m)

Montafon Tourismus

Zum Tourismusverband der Tourismusregion Montafon, einem Zusammenschluss der Gemeinden mit den Illwerken und den beiden örtlichen Bergbahnen gehören:

 Bartholomäberg, Gargellen, Gaschurn-Partenen, Schruns/Tschagguns, Silbertal,

 St. Anton im Montafon,  St. Gallenkirch-Gortipohl und Vandans.

Die beiden Gemeinden Schruns und Tschagguns arbeiten traditionell zusammen, Gaschurn nennt seine Ortschaft Partenen immer mit, und die St. Gallenkirchner Ortschaft Gargellen hat eine eigene Tourismus-Vertretung. Die beiden Gemeinden St. Gallenkirchen und Gaschurn treten auch als Hochmontafon auf. Insgesamt überwiegt heute der Auftritt als geschlossene, gemeinsame Region.  

Insbesondere entspricht die Zusammenfassung aller zehn Gemeinden zum gemeinsamen Gerichtsbezirk Montafon – wobei sich der Sitz des Bezirksgerichts in Schruns befindet – ebenfalls dieser Auffassung der Region Montafon.

 Nachbarregionen

 Die umliegenden Gebirgsgruppen sind: Walgau mit Bludenzer Talkessel, Klostertal, Arlberg · Stanzer Tal (Tirol), Rätikon mit Brandnertal, Verwallgruppe, Nordsilvretta · Paznaun (Tirol), Rätikon,  Prättigau (Ktn. Graubünden, Schweiz), Westsilvretta, Mittelsilvretta, Unterengadin (Ktn. Graubünden, Schweiz)

Verkehr

 Die Silvrettastraße L/B 188 mit dem mautpflichten Passabschnitt, der Silvretta-Hochalpenstraße, verbindet das Montafon mit dem Paznaun im Bundesland Tirol. Die Bahnstrecke Bludenz–Schruns führt von Bludenz nach Schruns.

Geschichte

Wie archäologische und botanische Untersuchungen belegen, siedelte der Mensch bereits vor 5.000 Jahren im Montafon. So finden sich Reste einer etwa 3.500 Jahre alten Siedlungsstätte im Friagawald, die Teil einer mächtigen bronzezeitlichen Burganlage war.  

Besiedelt wurde das Montafon ursprünglich von aus dem Walgau und aus Graubünden zugewanderten Rätoromanen. Davon geben noch heute eine Vielzahl rätoromanischer Berg-, Fluss-, Orts-, Flur- und Familiennamen Zeugnis (wie z. B. Albona, Gafluna, Montjola, Silvretta, Tilisuna).  

Wie vermutlich in der Bronze- und Eisenzeit war das Montafon auch durch das ganze Mittelalter hindurch ein Zentrum des Bergbaues: Eisen, Kupfer und Silber wurden hier gewonnen. Im Spätmittelalter – ab etwa 1300 – zogen die im Bergbau beschäftigten Silberer im Silbertal sowie an der Rodung hoher Berghalden beteiligte Walser ins Montafon. Die romanische und später deutsche Besiedlung wurde vorwiegend vom gräflichen Meierhof in St. Peter bei Bludenz organisiert.  

Politisch gehörte das in Churrätien gelegene Montafon von etwa 1258 bis 1418/20 zum Herrschaftsbereich der Grafen von Werdenberg, die zwischen 1259 und 1296 die Stadt Bludenz gründeten.  

Der den Bund ob dem See auflösende Friede von Konstanz wurde 1408 unter anderem auch von den Landleuten im Montafon mit ihrem zwei gekreuzte Schlüssel aufweisenden Siegel bekräftigt.  

Die Habsburger regierten ab dem 15. Jahrhundert Vorarlberg und damit auch die Orte im Montafon wechselnd von Tirol und Vorderösterreich (Freiburg im Breisgau) aus, von Innsbruck aus auch noch nach 1867, als Vorarlberg Kronland wurde. Das Montafon gehörte zur Herrschaft Bludenz. Von 1805 bis 1814 gehörte das Montafon zum Königreich Bayern, ab 1814 dann wieder zu Österreich.

 Mit der Neuordnung der Vorarlberger Gerichtssprengel im Jahre 1806 wurde das ganze Montafon dem neu installierten Landgericht Sonnenberg mit Sitz in Bludenz unterstellt, aus dem sich der heutige politische Bezirk entwickelt hat.  

Das Montafon war 1945 bis 1955 Teil der französischen Besatzungszone in Österreich.

 Namensherkunft und Schreibung 

Der Name Montafon scheint rätoromanischen Ursprungs zu sein. Zur genauen Namensherkunft gibt es unterschiedliche Theorien: Montafon könnte von munt davon, „Berg dahinten“ (gemeint ist der „Berg hinter den letzten Siedlungen“) oder von munt tovun, „durchlöcherter Berg“", „Grubenberg“ kommen. Andere Erklärungsversuche sind „Bergbrunn“, „Stillalpenberg“ oder eine Wortverdopplung des Begriffs „Berg“.  

Der Landamann Johann Ignaz Vonier und der Landschreiber Johann Theodor Fritz verdeutschten am 2. Juni 1806 in der Beantwortung einer Anfrage der neuen bayrischen Regierung ihr Heimattal Muntafon als „Brunnenthal“ und gaben ihm damit eine treffende Gesamtcharakteristik.  

Von 1956 bis 1957 wurde ein heftiger Streit um die Schreibung des Namens Montafon mit «f» oder «v» geführt.

Das Montafoner Braunvieh 

Dieses Braunvieh ist ein Nachkomme des Torfrindes. Es entstand aus verschiedenen graubraunen Schlägen in der Schweiz, Vorarlberg und im Allgäu. Das bekannte Montafoner Braunvieh führt auch Blut von Eringern. Zur Verbesserung der Milchleistung wurde das einheimische Braunvieh etwa ab 1960 über Einkreuzung mit Brown-Swiss verdrängt. Dies führte immer mehr zu einer Verdrängung des ursprünglichen Typs mit all seinen Vorzügen – heute hat die österr. Population durchschnittlich einen Brown-Swiss-Anteil von über 75 %.

 Das Original Braunvieh ist einheitlich braun, mittelschwer, gut bemuskelt mit hellem Aalstrich und dunkler Zunge. Im Vergleich zum Brown-Swiss ist es kleiner und leichter– daher gerade für die Dreistufenwirtschaft in Bergbauernregionen bestens geeignet.

Tourismus

 Ein wichtiger Erwerbszweig ist der Tourismus (siehe auch Skigebiete in Österreich). Das Montafon ist durch insgesamt 62 Bergbahnen und die Silvretta Hochalpenstraße gut erschlossen und ist Urlaubsziel von Touristen im Sommer wie im Winter.  

Einen wichtigen Beitrag zur Erschließung trug der Bau der Montafonerbahn im Jahr 1905 bei. Auch die Illwerke waren um touristische Nutzung der Kraftwerksbauten bemüht, und sind bis heute auch in der Tourismusinfrastruktur tätig.

Die Montafoner Tracht

 Typische Elemente der Montafoner Tracht sind:

 das Kleid, die Juppe, zweierlei Jacken (Glögglitschopa und Schlutta),  ein reich besticktes Brusttuch, spezielle Kopfbedeckungen das Mäßli, wohl die älteste Kopfbedeckung der Frau aus Wollfilz, schwarz gefärbt (benannt nach dem topfartigen Aussehen eines Kornmaßes),  die Pelzkappe, ovalrund, oben mit einer Öffnung, aus schwarzem Fischotterpelz angefertigt  die aus dem Französischen importierte Schnelle für kalte Wintermonate, der später aufgekommene Sanderhut. Er ist nach dem Erzeuger, dem Hutmacher Sander in Schruns, benannt worden, das Schäppele (Krönele) – weiblicher Kopfschmuck, besonders der Jungfrau, ist aus feinen silbernen und goldenen, gekräuselten Metallfäden und kleinen Metallblumen und Glaskügelchen kunstvoll zu einer ca. 8 cm im Durchmesser halbrunden Krone zusammengesetzt. Die Kombination der hier angeführten Trachtenteile unterliegt strenger Traditionen, die durchaus unterschiedlich aufgefasst werden. Auffallend ist der Formen- und Materialreichtum, dem die sparsame Wiederverwendung gebrauchter Materialien gegenüber steht. Eine Besonderheit der Montafoner Tracht stellt die Mädchentracht dar – nur unverheiratete Mädchen dürfen die Tracht mit langen, weißen Ärmeln tragen. Ebenso durfte das Krönlein (Schäppele) nur zu kirchlichen Festen getragen werden und war ein Zeichen des unverheirateten Standes.