Schwitzen und die Aussicht genießen

WIE WAR’S am Volkswandertag des Radfahrverein Dörlinbach?.

Der Wetterdienst warnt vor Sturmböen, das Regenradar zeigt eine Regenfront über Südbaden, das Thermometer zeigt draußen 10 Grad. Keine Idealbedingungen für eine Wanderung auf den Höhen des Schwarzwaldes. Doch unverdrossen streben Menschen, hauptsächlich mittleren und höheren Alters, der Anmeldestelle in der Festhalle in Dörlinbach zu: Der Radfahrverein Dörlinbach hatte am Sonntag zum Volkswandertag eingeladen, und die Teilnehmer kamen aus dem ganzen Ortenaukreis und gar aus dem Elsass, selbst ein Reisebus stand neben der Halle.

Die Strecken
Es werden Rundwege von fünf und zehn Kilometer angeboten. Die 36. Internationalen Volkswandertage sind mit einem Kinder- und Jugendwandertag verbunden. In der französischen Fassung der Ausschreibung werden die "Strecken durch Felder und Wälder mit durchschnittlicher Schwierigkeit" beschrieben. Für Kinder ist auf der Strecke ein Rätselspiel verteilt, bei dem sie Begriffe erraten müssen.

Die Kennzeichnung
Kleine blaue, pfeilförmige Schilder mit IVV und der Streckenlänge geben die Strecke an. Zusätzlich sind in Abständen oder an unklaren Kreuzungen oder Abzweigungen Flatterbänder mit der Aufschrift "RV Dörlinbach" an Bäume oder Pfosten gebunden. Seitenwege sind mittels Sägemehl als nicht zur Strecke gehörig gekennzeichnet. Die Auszeichnung der Strecke ist sehr gut verständlich, sogar für mich, der ich mich in meiner eigenen Hosentasche verlaufen könnte.

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Die Wanderung
Frohgemut mache ich mich auf die Zehn-Kilometer-Strecke. Zunächst geht es im Dorf recht kräftig bergan, vorbei an Häusern aus jeder Epoche. Gleich nach der ersten Kurve das erste Augenschmankerl: ein typisches Schwarzwaldhaus, mächtige schwarze Eichenbohlen auf einem Steinfundament, darüber die Schwarzwälder Verkleidung aus Brettern. "Der isch awwer schneller wie Du" – der ältere Herr mit dem prächtigen Hund der Rasse Schnauzer hat Recht: Meine vierjährige Mischlingshündin strotzt nur so vor Tatendrang und ist kaum zu bremsen. Immer weiter geht es bergauf, aus dem Dorf hinaus, auf dem als "Bettelweg" ausgeschilderten geteerten Weg. Zum Ende der Steigung habe ich den Reißverschluss der Treckingjacke schon halb geöffnet, die Belüftung unter den Ärmeln ebenso, ich bin schon schön in Wallung geraten. Doch schnell mache ich die Jacke wieder zu. Der Wind kommt kurz vor dem ersten Kontrollpunkt und kühlt gehörig aus.

Kurz nach dem Kontrollpunkt rechts am Waldrand eine Bank. Der herrliche Blick aufs Tal und sich majestätisch drehende Rotoren von Windrädern laden zu einer Pause ein, auch wenn es noch nicht Mittag ist. Weiter geht der Weg auf gut befestigten und gepflegten Wegen durch Wälder, die sich urplötzlich zu den Schwarzwaldwiesen und Weiden öffnen und weitere schöne Ausblicke ermöglichen. Der "Aussichtsweg" wird nun begangen, er trägt seinen Namen zu Recht. Abwechselnd mit Laub oder Nadeln bedeckt, aber immer hoch und runter und gut begehbar. Immer wieder stoße ich auf Paare oder Gruppen, die kurz bei einer schönen Aussicht verweilen oder einfach nur schwätzend stehengeblieben sind. "Mir hend’s net eilig", der Herr mit graumelierten Schläfen lacht, "mir send pünktlich zum esse do." Ab dem Höllhof geht es dann auf dem Buwaldweg weiter.

Die Ankunft
Nach schönen zwei Stunden und fünfzehn Minuten, 540 Höhenmetern und 10,8 Kilometern bin ich am Ziel, der Festhalle Dörlinbach, angelangt. Ja – erst nach 10,8 Kilometern. Denn am Ende der Strecke bin ich erst, so völlig im gleichmäßigen Gehschritt gedankenverloren, noch weiter den Flatterbändern gefolgt, aber nicht zum Ziel, sondern in eine erneute Runde. Erst die Fünf- und Zehn-Kilometer-Schilder und die Bananenstaude in einem Garten, die mir kurz nach dem Start aufgefallen war, weckten mich auf. Was mich in Gedanken hatte verlieren lassen: Ich war am überlegen, wie der Film mit Heinz Erhardt hieß, in dem er in unserem herrlichen Schwarzwald wandern war.

Das Fazit
Trotz wenig guten Wetters gingen 626 Teilnehmer an den zwei Tagen an den Start. In Hoch-Zeiten des Vereins, noch zur Zeit der kanadischen Stationierungskräfte in Lahr, nahmen bis zu 2500 Wanderer teil, davon bis zu 600 in einer Gruppe. Laut der Vorsitzenden Irmgard Ohnemus hatte am ersten Tag ein Teilnehmer mit 80 Jahren mit Rollator die kurze Distanz bewältigt.

Preisvergaben

Siegergruppe mit 57 Teilnehmern die Les Marcheurs du Haut-Barr aus Saverne, 2. mit 45 Teilnehmern Wanderfreunde Schwaigern, 3. mit 40 Teilnehmern Les amis de la Nature aus Grosbliederstroff (Lothringen). Platz 4 waren die bisherigen Favoriten Marche Club du Rhin aus Boofzheim. Der gläserne Wanderstiefel für die größte Schuttertaler Gruppe ging mit 25 Personen an den SV Dörlinbach.