Naturerlebnis mit Schluchtenflair

Es ist Mittag, der Sonnenstand hat seinen Zenit erreicht, als am Horizont dunkle Wolken emporsteigen. Aus der Ferne ist ein leichtes Donnergrollen zu hören. Das alles ficht die Wanderer auf der Panoramastrecke von Göschweiler nicht an.

Ein typisches Wanderwochenende nach den Regeln des Internationalen Volkssportverbands (IVV) geht seinem Ende entgegen. Organisiert hatte es der Sportverein Göschweiler, der mit seinem ganzen Erfahrungsschatz aus den vorausgegangenen 49 Wandertagen auch die Jubiläumsveranstaltung auf die Beine stellte. So erlebten am Wochenende einmal mehr Hunderte von Wanderfreunden mit all ihren Sinnen Natur pur. Die Wanderstrecken waren mit Längen von sechs, zehn und 16 Kilometern so gewählt, dass möglichst vielen Naturliebhabern das Wandern in der Wutachschluchtregion möglich war.

"Wir sind beinahe jede Woche auf Tour, nehmen an rund 35 IVV-Wandertagen pro Jahr teil und sind selbst Organisator einer derartigen Veranstaltung", sagt Ingrid Weiss. Sie war gekommen, um gemeinsam mit weiteren Vereinskollegen von den Wanderfreunden aus Oberrottweil das wilde und schöne Naturbild der Wutachregion in vollen Zügen zu genießen. Andere nahmen erstmals an einer derartigen Veranstaltung teil.

"Der Vorteil ist, dass alle Wanderstrecken in den Wochen vor der Veranstaltung noch einmal inspiziert, gewartet und bei Bedarf hergerichtet werden", erläutert Walter Keßler, Vorsitzender des SV Göschweiler. "Deshalb beginnt für uns die Vorbereitung bereits weit vor dem eigentlichen Termin", sagt er. Die Gestaltung, der Druck und das Verteilen der Flyer beginnen bereits im späten Winterhalbjahr. Die beiden Wanderwarte Ewald Schuler und Elmar Matt beginnen im Frühjahr die Strecken zu präparieren.

Die Wandertage seien mit Abstand die größte Veranstaltung, die der SV Göschweiler im Jahresverlauf veranstaltet. 50 Helfer seien an beiden Tagen im Einsatz gewesen. Keßler verweist darauf, dass drei Wochen zuvor die Mitglieder zur Mithilfe an der Sonnwendfeier gefordert waren und in wenigen Wochen beim Löffinger Städtelefest wieder im Einsatz sind. "Da wird ihnen ehrenamtlich einiges abverlangt", ist er dankbar über das Engagement seiner Vereinskollegen.

Derweil kommen die dunklen Wolken immer näher. Noch immer kommen zahlreiche Wanderer im Ziel an und werden von der Musik- und Trachtenkapelle Göschweiler unter der Leitung von Martin "Flake" Sedlak musikalisch empfangen. Auf dem Vorplatz der Bürgerhalle gibt es kaum mehr freie Sitzplätze und auch die Halle ist gut besucht. Längst haben sich die kulinarischen Leckerbissen, die der SV Göschweiler an diesen Tagen bietet, herumgesprochen. Die Siegerehrung der größten Wandergruppen fand bereits unter den Gewitterwolken statt. "Zweimal an einem Sonntag Regenschauer ist schon heftig. Doch es gibt nichts zu klagen, wir sind zufrieden. Traditionell schwach besucht war der Samstag", resümierte Keßler.

Die größte Wandergruppe mit 82 Teilnehmern kam aus Titisee-Neustadt. Platz zwei ging an die Wanderfreunde aus Zell-Weierbach, die mit 35 Wanderern am Start waren. Den Bronzerang belegten die Wanderfreunde aus Tuningen mit 32 Teilnehmern. Im kommenden Jahr finden die Wandertage zum 51. Mal statt. Auf Grund der traditionell geringen Resonanz am Samstag überlegt der Vorstand, sie nur noch am Sonntag auszurichten.

 

Drei Wanderrouten stehen zur Wahl

Schon seit einem halben Jahrhundert bietet der Sportverein Göschweiler das internationale Wutachschluchtwandern an. Am kommenden Wochenende, 14. und 15. Juli, wird nun das Wanderjubiläum mit den internationalen Volkswandertagen gefeiert.

Löffingen-Göschweiler. Hatte man das zehjährige und 30-jährige Bestehen der Wandertage noch mit einem großen Festzelt und einem Oldtimertreffen auf dem Sportplatz gefeiert, so wird das 50-jährige Bestehen in einem kleinen Rahmen gefeiert.

"Man wollte der Wanderguppe keine Mammutaufgabe zumuten, sondern sie mit einem Ausflug für ihr Engagement und Treue belohnen", erklärte Vorsitzender Walter Keßler. Belohnt werden auch die Wanderer mit einer tollen Strecke, die Ewald Schuler und Elmar Matt ausgesucht und hergerichtet haben. Drei Strecken mit sechs, zehn und 16 Kilometern stehen zur Auswahl. Gleich 40 Helfer werden die Wanderer verwöhnen.

Wandern war in Göschweiler schon immer eine beliebte Freizeitbeschäftigung, zumal die einmalige Wutachschlucht direkt vor der Tür liegt. Doch der eine oder andere Göschweiler beteiligte sich auch bei den internationalen Volkswandertagen. Diese könnten auch nach Göschweiler geholt werden, so die Idee damals von Gerd Pliska, zumal dann auch die Vereinskasse aufgebessert werden könnte. Vorstand Alex Bölle, Egon Albert und Gerd Pliska wagte 1969 den Schritt und luden zu den ersten Wutachschluchtwander-Tagen ein. Gleich 500 Personen kamen zur Premiere. Gefeiert wurde im Garten von Heinz Frey im Festzelt mit Tanzveranstaltung, selbst eine Gulaschkanone wurde von der Bundeswehr organisiert.

Das Jahr darauf wurden die Wandertage auf dem Sportplatz ausgetragen, bis man 1984 in die Bürgerhalle zog. Die Wanderzahlen stiegen enorm, so zählte man 1978 gleich 3000 Wanderer, in den 70- und 80-er Jahren war eine mehrfach vierstellige Teilnehmerzahl garantiert. Doch die Wanderlust hat abgenommen, so Kessler, heute ist man mit 600 bis 700 Wanderfreunden mehr als zufrieden. Der Gedanke war zündend, Göschweiler ein idealer Ort, nur mit dem Profit hat es einfach nicht so geklappt. So wurde alles eine Nummer kleiner, was sich bewährt hat.

Fest verbunden ist diese Veranstaltung mit der Wandergruppe, die seit 50 Jahren zusammen ist. Von den Gründungsmitgliedern ist nur noch Egon Albert mit dabei, der vor allem durch seine legendären Kontrollpunkte bekannt ist. Als Legende der Wandergruppe darf man auch Fredi und Traute Ramloff bezeichnen, die über 40 Jahre Göschweiler in ganz Süddeutschland und dem benachbarten Ausland bekannt gemacht haben.

Es waren von Anfang an die Wanderwarte, die sich um die Streckenführungen und Ausschilderungen kümmerten, anfangs Egon Albert und Helmut Eggert, 1977 folgte Helmut Hensler und von 1982 bis 2004 war Ewald Schuler Wanderwart, der bis heute bei den Vorbereitungen, Planungen und Herrichten der Strecke mit dabei ist.

Ehefrau Lore ist seit 1982 für die Anmeldungen zuständig. 1995 bis 2004 wurde er Werner Baader unterstützt. Es folgte Werner Hasenfratz und Reiner Dunkels und im vergangenen Jahr konnte nach einigen Jahren Vakanzzeit das Amt an Elmar und Andrea Matt übergeben werden.

Am Wochenende, 14. und 15. Juli, finden die 50. Internationalen Volkswandertage in Göschweiler statt. Ein kleines Jubiläum, welches mit dem Frühschoppenkonzert durch die Trachtenkappelle am Sonntag, einem Kinderquiz auf der Strecke mit schönen Preisen, einem Sonderpreis für die größte Gruppe im Löffinger Ösch und drei abwechslungsreichen Strecken gefeiert wird. Start ist am Samstag von 10 bis 15 Uhr, am Sonntag von 7 bis 13 Uhr.