Wandern für alle und mit allen

Die Wanderfreunde Eichstetten halten die Ideale des Volkswanderns hoch / Frühlings-Wandertreffen.

Wanderbücher und Outdoor-Ausrüstung für jedes Wetter verkaufen sich gut. Hiking, Trekking und Walking gibt es in mannigfaltigen Variationen. Und am 1. Mai, an Himmelfahrt und Pfingsten bummeln Heerscharen von Hock zu Hock. Aber wie sieht es mit dem klassischen Wandern aus? Die BZ besuchte Wandergruppen im westlichen Breisgau, um zu ergründen, wo die Wanderkultur heute steht. Heute: Das Volkswandern, am Beispiel der Wanderfreunde Eichstetten.

Rund um die Turn- und Festhalle im sonst eher beschaulichen Eichstetten ist gegen halb 11 fast nur noch zu Fuß ein Durchkommen. Die Straßenränder sind von Autos gesäumt, deren Nummernschilder ihre teils weite Herkunft verraten. Viele Fahrzeuge auf den längst voll besetzten Parkplätzen kommen auch aus dem benachbarten Elsass. Mitten im engen Wohngebiet versucht ein großer Reisebus zu wenden. Für diesen Auftrieb im Wein- und Gemüsedorf sorgt der alljährliche internationale Volkswandertag: Am 25. März diesen Jahres bereits zum 37. Mal!

Veranstaltet wurde das kunterbunte Großereignis für Freunde des organisierten Fußmarsches seit 1994 von den Wanderfreunden Eichstetten e. V., die ursprünglich einmal eine Unterabteilung des Turnvereins waren. "19 Jahre hat die Abteilung Wandern des Turnvereins auch den Volkswandertag ausgerichtet", berichtet Ulrike Rinklin, Vorsitzende der Wanderfreunde. Sie hat sich in der von hungrigen und durstigen Wanderrückkehrern schon gut gefüllten Festhalle an einen der Tische gesetzt, sich eine kleine Auszeit vom Organisationsstress genommen und beantwortet nun zusammen mit ihrem Sohn Jochen, dem Schriftführer des Vereins, geduldig Fragen. "Mit dem Abzug der Kanadier aus Lahr, die begeisterte Volkswanderer waren, wollte der TV den Volkswandertag nicht fortsetzen." Man befürchtete einen Einbruch bei den Teilnehmerzahlen und damit mangelnde Rentabilität. Und das ausgerechnet im Jahr des 20. Geburtstages der Veranstaltung. "Der Jubiläumswandertag sollte aber nicht ausfallen, also musste alles ganz schnell gehen", erzählen die Rinklins über die Vereinsgründung im Schweinsgalopp. Denn nur ein Verein darf auch ein Volkswandern, für das unter anderem zahlreiche Genehmigungen erforderlich sind, veranstalten. So fanden sich im März 1994 21 Wanderbegeisterte zusammen und gründeten die Wanderfreunde Eichstetten als eigenständigen Verein. Inzwischen haben die Wanderfreunde rund 55 Mitglieder mit einem Durchschnittsalter von 58 Jahren.

 

Rivalitäten zum Schwarzwaldverein gehören der Vergangenheit an


"Das Verhältnis von Schwarzwaldverein (SV) und der Dachorganisation der Volkswanderbewegung, dem Deutschen Volkssportverband (DVV), war lange Zeit problematisch", bedauert Frau Rinklin. Zeitweise hatten die Volkswanderer sogar die Auflage, keine Wege des Schwarzwaldvereins zu benutzen. Dies gehört inzwischen längst der Vergangenheit an, man pflegt ein friedliches Nebeneinander. Während die Volkswanderbewegung eher in der Ortenau und dem unteren Breisgau verbreitet ist, sind Südschwarzwald, Markgräflerland und südlicher Kaiserstuhl zumeist dem SV verbunden.

Wie in vielen Vereinen bereitet auch den Wanderfreunden Eichstetten die Nachwuchsfrage Kummer. "Ohne die Mithilfe unserer Kinder wäre der Volkswandertag so nicht möglich", betont Ursula Rinklin. Der Trend zur Individualität stehe auch beim Wandern der Vereinsmitgliedschaft von jüngeren Menschen oft entgegen, mutmaßt die Vereinsvorsitzende. Erfreulich sei hingegen, dass das Miteinander unter den Eichstetter Vereinen hervorragend funktioniere. Und so helfen auch am Volkswandertag andere Vereinen eifrig mit. "Die nächsten 10 Jahre ist unser Fortbestand gesichert", so Ursula Rinklin über "ihren" Verein, der im Jahr rund 70 Veranstaltungen anbietet. Und so wird es auch 2013 im zeitigen Frühjahr wieder einen internationalen Volkswandertag in Eichstetten geben.

Am 25. März hatten sich knapp 1200 Teilnehmer auf eine der beiden Strecken durch die Reben begeben. Schon in den frühen Morgenstunden hatte allein Streckendienstler Rolf Rinklin, ebenfalls Spross der Vorsitzenden, hunderte Brötchen geschmiert, die an den beiden Versorgungsplätzen zur Stärkung angeboten wurden. Dort genossen Wandersmann und Wandersfrau nicht nur herrliche Ausblicke, sondern auch kostenlosen Tee und gegen einen geringen Unkostenbeitrag weitere Speisen und Getränke. Neben etlichen Wandergruppen hatten sich auch Familien auf den für Kinderwagen tauglichen Weg gemacht, für die jüngsten Wanderer gab es ein spannendes Weinbergquiz entlang der Strecke. Mitwandern dürfen bei den Touren der Wanderfreunde auch Nichtmitglieder.