Senioren in der Überzahl

1300 Wanderer machen die Wandertage zu einer internationalen Angelegenheit.

Wandern hält bekanntlich fit bis ins hohe Alter. 1300 Wanderer haben am Wochenende ihre Schuhe geschnürt und die von den Wanderfreunden Titisee-Neustadt ausgeschilderten drei Strecken in und um Eisenbach unter die Schuhsohlen genommen. Vorwiegend Senioren nutzten die 59. Internationalen Panorama- und Jugendwandertagen. Familien mit Kindern und Jugendlichen waren wenige dabei.

Die erfolgreichen Wanderer unter 16 Jahren konnten sich fürs Mitmachen als Lohn und Anreiz zugleich am Ziel einen Sachpreis aussuchen. Schade sei es, dass nur wenige Jüngere dabei seien, fand ein 77-Jähriger aus dem Rothauser Land.

550 Teilnehmer wurden am Samstag gezählt, 750 am Sonntag. Es wären wohl mehr gewesen, hätte sich das Wetter am Sonntag freundlicher gezeigt. Trotzdem waren die Wanderfreunde mit der Beteiligung zufrieden. Sie hatten auch so alle Hände voll zu tun.

Die Eisenbacher Baustelle erschwerte zahlreichen Wanderern die Anfahrt. Sie mussten den Umweg über Oberbränd und Bubenbach in Kauf nehmen. Ein elsässisches Ehepaar landete bei der Anreise mit dem Auto gar im Wald, irgendwann hatten sie auf der Umfahrung den roten Faden verloren. Etwas mulmig sei ihnen schon geworden. Endlich an der Wolfwinkelhalle angelangt, wanderten sie dann die Zehn-Kilometer-Strecke – ohne sich zu verlaufen. Genossen haben sie die schöne Landschaft, erzählten die Franzosen.

Damit waren sie nicht allein. 50 Wanderfreunde aus Billigheim-Elztal waren erstmals bei den Wanderfreunden Titisee-Neustadt zu Gast. Die Frauen gingen die Fünferrunde, die Männer nahmen sich die doppelte Strecke vor. Da die Neustädter ihren Wandertag im April besucht hatten, fühlten sie sich verpflichtet, im September nach Eisenbach zu kommen – so ist die Regel. Wer Besuch bekommt, darf mit einem Gegenbesuch rechnen.

Rund die Hälfte der angereisten Wanderer kamen aus dem Elsass. Viele davon sind Stammgäste und Freunde.

70 Vereinsmitglieder mit Freunden sorgten für den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung. Der Großteil von ihnen war mit der Bewirtung beschäftigt. Nicht einfach war es hingegen für den Verein, die 300 Meter lange Baustelle in der Eisenbacher Ortsdurchfahrt zu beaufsichtigen. Zehn Mann wurden eigens dafür abgestellt, um sicherzustellen, dass trotz der Absperrung kein Fahrzeug passiert. Die Durchfahrt ist aus Haftungsgründen untersagt, die Gemeinde hat die Wanderfreunde extra darauf hingewiesen. "Viele andere – nicht unsere Wanderer – fahren durch die Absperrung, das macht uns gehörigen Kummer", sagte der Vereinsvorsitzende Christoph Hummel, "das ist ärgerlich." Da werde einfach das Durchfahrtsverbot ignoriert und tauche ein Absperrgitter auf, werde es einfach zur Seite gestellt und weitergefahren.

Die Wanderfreunde mussten auch ihre Routen zur Sicherheit der Teilnehmer ändern. Zwei Wanderwege waren von unzähligen Reifenspuren aufgewühlt, sie dienen als Umfahrung der Baustelle. Ärgerlich auch, dass die Ampel, die den Begegnungsverkehr an der Engstelle An der Kirche zur Wolfwinkelhalle hoch regelt, am Samstagmorgen nicht funktionierte. Die Wanderfreunde fanden schnell den Defekt: Batterie leer. Sie besorgten selbst Ersatz, denn eine Telefonnummer der zuständigen Signalfirma fehlte.