Nach 44 Jahren die letzten Wandertage in Pfaffenweiler

Die internationalen Volkswandertage in Pfaffenweiler finden am Wochenende vom 12. bis 13. Oktober zum letzten Male statt. Nach 44 Jahren und 57 Wandertagen ist Schluss.

"An mir liegt es nicht", stellt "Mr. Wandertage" Erich Neugart klar, "wenn der Verein kein Bock hat, kann ich auch nichts mehr richten". Die Wandertage seien immer zum gleichen Zeitpunkt, da könnte man sich einrichten. Einen Nachfolger zu finden, sei immer schwer, besonders wenn man davon ausgehen könne, dass man sich auf einen verlassen kann. Er hätte es weiter durchgezogen, so lange es ihm möglich gewesen wäre. Junge Leute seinen durchaus ansprechbar, aber ein Einzelkämpfer allein könne nicht viel ausrichten.

Seit 1975 gibt es die Wandertage offiziell. Im Jahr zuvor gab es bereits einen sehr erfolgreichen Probedurchgang. Solche Veranstaltungen waren damals voll im Trend. Schon recht bald fiel Erich Neugart die Federführung über die Veranstaltung zu, er wuchs voll in sie hinein und übt sie bis jetzt aus.

Die Wanderfreunde wurden und sind eine Abteilung des FC Pfaffenweiler, die Vereinsmitglieder sorgten sorgen dafür, dass das Fest reibungslos abläuft. Früher seien die Leute hilfsbereiter gewesen und es ging auch gemütlicher zu. Beim Streckenaufbau gab es beispielsweise nach jedem Kilometer eine Mostpause, erinnert er sich.

Bemerkenswert fand es Neugart, dass auswärtige Wanderfreunde sich anboten, um als Helfer in die Bresche zu springen. Seines Erachtens dürfe für eine solche Veranstaltung der Bezug zum Ort und seinen Vereinen nicht verloren gehen, eine Privatveranstaltung Neugart könne nicht sein.

Die Teilnehmer an den Wandertagen kommen meist aus dem ganzen südwestdeutschen Raum, aus der benachbarten Schweiz und dem Elsass. In Glanzzeiten kamen bis zu 3000 Wanderer zu den Frühjahrs- und Herbstwandertagen nach Pfaffenweiler.

Nach zwischenzeitlich starken Rückgängen hat sich die Zahl wieder bei rund 1000 Teilnehmern stabilisiert. 13 Mal gab es Frühjahrs- und Herbstwandertage. Für zwei Wandertage im Jahre wurde der Aufwand aber zusehends zu groß, ganz abgesehen von immer restriktiveren Auflagen, so Wanderwart Erich Neugart. Genauso hat man seit einigen Jahren auf eine 20-Kilometerstrecke verzichtet, nicht nur mangels Beteiligung.

Unfälle und Beanstandungen gab es glücklicherweise bisher nie. Seit einigen Jahren gibt es auch ein Sonderprogramm für Kinder, Jugend und Schulklassen, mit zufriedenstellender Resonanz.

Die Wandergruppe Pfaffenweiler selbst besteht aus rund 30 Wanderern, die wenigsten kommen aus Pfaffenweiler, sondern aus der ganzen Umgebung, auch nach weiter auswärts Fortgezogene kommen zu gemeinsamen Wanderausflügen wieder. Wie lange das noch der Fall sein wird, werde sich herausstellen. Wer Wandertage besuchen will, könne ja auch für andere Wandergruppen an den Start gehen.

Neugart beobachtet, dass einige Wandergruppen, die keine Wandertage mehr ausrichten, zwischenzeitlich geführte Wanderungen anbieten. Dies sei nicht so ganz seine Sache, denn diese Gruppen seien meist zu heterogen, insbesondere was die Laufleistung anbetreffe. In den 44 Jahren des Bestehens der Wandertage habe es noch keine Strecke gegeben, der sich wiederholte, es waren alles "Unikate". Die Strecken wurden immer kinderwagengerechter. Die Panoramastrecken hätten gut gefallen, bekam Neugart regelmäßig Rückmeldung.

Das Wetter hat meist ebenfalls soweit mitgemacht. Auch das Ambiente in der Halle mit deftiger Hausmannskost, wie Schlachtplatte, kam gut an, genauso wie das reichhaltige Kuchenbuffet und der kleine Herbstmarkt vor der Halle.

Bei den Wanderpreisen änderte sich oftmals der Geschmack, denn man gut getroffen hatte, denn das Übriggebliebene sei sehr übersichtlich, egal ob Medaillen, Wandteller, Porzellankrüge, Miniatur-Lastkraftwagen, Plüschtiere, Metallvögel und Hexenpuppen.

Sehr gern erinnert sich Erich Neugart auch an den Sonderwandertag 2001 für die Nachsorgeklinik Tannheim, den er für den Deutschen Volkssportverbandes für den sozialen Zweck auf die Beine gestellt hat. Bis auf die ersten fünf Jahre hat er alle Prospekte der Wandertage in einem Ordner. Auch andere Notizen, Aufzeichnungen und Protokolle warten darauf, als Dauerleihgabe in einem Archiv aufbewahrt zu werden.

Eine Ära geht zu Ende, "schade, so schön wie es war die ganzen Jahre, aber es ist so", und es klingt doch etwas Wehmut mit.